Momentan wird viel über Sinn und Unsinn von Googles neuestem Dienst “Street View” gesprochen. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat eine Meinung dazu, genauso wie viele viele Blogger und Zeitungen.
Ich habe auch eine. Zweigeteilte:
Einerseits bin ich sozusagen ein Googlefanboy, denn wer wie ich, die Zeit vor Google schon im Internet verbracht hat, weiß, welchen Nutzen uns google gebracht hat. Zu Zeiten von Netscape und 28.8k Modem war es ein Grauen etwas im Netz zu suchen. Damals war ne andere Zeit und Google hat zu den rasanten Veränderungen positiv beigetragen. [Randnotiz: Da fällt mir ein, dass ich seit 04/99 bspw. Mitglied bei Ebay bin so sah das damals aus.]
Ich finde es gut wenn Google dafür sorgen will, dass Bücher online durchsucht werden können. Das ist kein Eingriff in das geistige Eigentum, denn, anders als vielfach verbreitet, lesen kann man die Bücher online nicht. Schlicht durchsuchen um sie sich dann gezielt auszuleihen oder zu kaufen. Find ich super.
Andererseits erschließt sich mir noch nicht der Nutzen der Street View. Bei Sehenswürdigkeiten kann ich mir einen “nutzen” noch zusammenreimen. Mein Haus jedoch ist für niemanden interessant. Oder doch? Wenn jemand Interesse an meinem Haus haben sollte, wird es aller Wahrscheinlichkeit wirtschaftlich sein. Ich stelle mir gerade vor wie örtliche Firmen per Streetview durch meinen Wohnort streifen um mich mit gezielter Werbung zu bombardieren.
Da meldet sich dann plötzlich ein Maurer weil er sieht dass meine Mauer ein Loch hat, der Maler hat gesehen dass meine Fassade mal ne Politur benötigt etc. pp.
Abgesehen davon ist Google bekanntermaßen ein Datensammler. Zwar nicht in ganz so krassen Ausmaßen wie verschiedene Soziale Netzwerke, aber was man in Verbindung mit jenen alles anstellen kann, will ich mir gar nicht weiter vorstellen. Ich erinnere mich an Please Rob me. Dort wurden Tweets, wo Menschen erzählen dass sie in Urlaub fahren und die mit GPS Daten versehen waren in Google Maps verlinkt. Als Hilfe für Einbrecher! Der Betrieb der Seite ist mittlerweile längst eingestellt, der Betreiber hat seinen Punkt gemacht. Es gibt Foren wo Fotos, die mit dem Iphone gemacht wurden und GPS Daten enthalten, auf Google Maps verlinkt werden. Man will sich nicht vorstellen was man sich da alles angucken kann.
Die Vorstellung dass Pädophile solche Möglichkeiten in Anspruch nehmen um Opfer zu finden bringt mich zum kotzen.
Das ist es was mich stört und dazu gebracht hat den Widerspruch einzureichen. Meiner Meinung nach ist Street View nur der Anfang. Ich bin davon überzeugt dass der nächste Schritt Echtzeitsatelittenaufnahmen sein wird.
Selbst wenn nicht, warum sollte ich einer Firma helfen Profit zu machen, ohne eigenen Nutzen?